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Heinz und Hannelise Weder Stiftung, Bern
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Heinz Weder Rezension
Neue Zürcher Zeitung
Traum aus schwarzen Krügen
Rückblick auf Heinz Weders Werk
Im literarischen Rampenlicht stand er nie. Heinz Weder war ein eher stiller Autor, über Jahre diskret präsent mit Lyrik und Prosa, mit Essays und Hörspielen. Daneben und keineswegs nebenbei war er unermüdlich als Herausgeber tätig, er edierte Schriften von Ulrich Bräker, Rodolphe Töpffer, Heinrich Pestalozzi, Ludwig Hohl, Robert Walser und anderen. Darunter sind Kostbarkeiten, die man noch heute gerne in die Hand nimmt, wie etwa die «Briefe von Albin Zollinger an Ludwig Hohl» oder die zweisprachige Ausgabe der Gedichte von Jean Cassou. Heinz Weder, 1934 in Berneck im St. Galler Rheintal geboren, arbeitete nach einer Ausbildung zum Buchhändler als Lektor und Verlagsleiter, erst in einem Berner, später in einem Stuttgarter Verlag. Vor acht Jahren ist er gestorben. «Traum aus schwarzen Krügen» heisst ein Band, der nun an seine schriftstellerische Arbeit erinnert. Darin hat Bruno H. Weder eine Reihe von Werken seines älteren Bruders versammelt - Erzählungen, Skizzen, Gedichte, Essays und drei Hörtexte sowie einen Auszug aus einem Roman. Der schön ausgestattete Band enthält neben den literarischen Arbeiten auch einige Bilder und Zeichnungen des Autors. Zusammen zeugen sie von einer jahrzehntelangen kreativen Arbeit am Rande eines vermutlich dichten Terminkalenders. Spürbar ist eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der klassischen Moderne, und spürbar ist auch eine Vorliebe für surreale Sprachbilder. Diese prägt bereits Weders Prosa-Erstling «Klaus Tonau», 1958 bei Tschudy in St. Gallen erschienen, und zu finden ist sie danach in vielen Texten, am stärksten wohl im Roman «Der Makler». Ganz spurlos sind die Jahre an Weders Werk nicht vorübergezogen, das ist kaum zu übersehen. Die surrealistischen Anklänge wirken heute zuweilen etwas müde, gewisse lyrische Bilder gar kostbar; ansprechend aber ist oft noch die rhapsodische Schreibweise, mit welcher Weder auf knappem Raum einen eigenen, meist leichten, mitunter auch elegischen Ton anstimmt, und verblüffend sind immer wieder die scharfen Schnitte, mit denen er den Gedankenfluss in eine neue Richtung lenkt. Ein Text wie «Der Heuwagen», der die Beschreibung des gleichnamigen Triptychons von Hieronymus Bosch in eine dramatische Handlung übersetzt, ist noch heute überraschend. Dem Band hat Bruno H. Weder, der die Texte ausgewählt und kurz kommentiert hat, ein zwar freundliches, aber doch knappes Vorwort mitgegeben. Natürlich hätte man, einmal neugierig geworden, gerne noch mehr über Werk und Leben erfahren. Und interessant wäre auch zu wissen, wie Heinz Weder, von dem der Klappentext sagt, er habe «sozusagen aus der zweiten Reihe erstklassig geschrieben», von seinen Zeitgenossen aufgenommen worden ist. Denn ein ungewöhnlicher Autor war er gewiss, daran erinnert dieser verdienstvolle Band zu Recht.
Martin Zingg, 30. 01. 2002
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