Schwarzgewobene Trauer
Für Heinz Holliger
1.
Nacht der grenzenlosen Kontinente.
Dunkle Flut,
Geruch von hartem Land,
Wind, der durch die flüchtigen Feuer flattert,
ich trage das Licht mit Krügen ins Haus
und schlaf auf Blättern und sanften Wolkenscherben.
2.
Im Schneestern,
der auf luftiger Haut schmilzt,
liegen gefesselter Wind und erfundene Nacht,
der Traum,
der seine Figur in den Rauch schlug,
ist dir ein leichter Tod,
ein Torso aus Schatten und Verhängnis,
Gewicht der Herbstzeitlosen,
du trägst es mit dunkler Geduld.
3.
Kühl schwebt der Tag über dem Schieferberg,
Astern blühen,
und hinter den Netzen des Lichts
beginnt das unendliche Land.
Wo aber endet die schwarzgewobene Trauer?
Niemand kann von den hereinstürzenden Schatten mehr betroffen sein als du,
denn deine Neugier war zu groß,
und nun wirst du das Selbstverständliche
begreifen müssen,
nachts oder irgendwann,
zwischen Tag und Tag;
kein Dezembergerücht wird wichtiger sein
als deine nie wiederholbare Heiterkeit
-: dein Lachen
als Fanfare über der Landschaft
mit brennendem Schnee.